Evernote ist ein Instrument, das ich gerne zur Organisation meines Arbeitsalltages einsetze. Aber auch im privaten Umfeld kann Evernote eine großartige Hilfe sein. Hier sind fünf Tipps für die Nutzung von Evernote zu Hause – und ein Suppenrezept.

Für einen Radiobeitrag bin ich Ende des Jahres gefragt worden, was für mich das Tool oder Gadget des Jahres 2013 gewesen sei. Ich habe die Antwort gegeben, die ich schon in den Jahren zuvor gegeben hätte (hätte man mir diese Frage gestellt): Evernote.

So ganz neu ist Evernote nicht mehr – ich verwende es schon seit 2009. Aber es ist mir in den vergangenen Jahren ein tatsächlich nahezu unentbehrliches Arbeitsmittel geworden und von einer so großen Vielfalt in den Spielarten der Anwendung, dass ich mich gelegentlich frage, wie man seinen Arbeitsalltag noch ohne dieses oder ein zumindest gleichartiges Instrument bewältigen kann.

Evernote ist oberflächlich betrachtet, eine Notizen-App. Ich kann einzelne Notizen in Evernote anlegen, sie in Notizbüchern thematisch organisieren und jede einzelne mit Schlagworten versehen. Soweit so gut, das kann fast jede halbwegs vernünftige Notizen-App. Aber Evernote kann mehr: Das Programm gibt es erstens für alle möglichen Plattformen – Windows, Mac OS X, als iOS- und Android-App, für Windows Phone und Blackberrys. Selbst Linux-Nutzer kommen (wie so oft mit etwas Gebastel) in den Genuss einer Evernote-Anwendung. Und Evernote synchronisiert sich zweitens über alle Plattformen hinweg automatisch. Heißt: die Notizen, die ich an meinem Laptop erstelle, habe ich dann fast sofort auch auf meinem iPad und dem Mobiltelefon, sofern ich die Apps dort installiert habe. Und die Ergänzungen, die ich unterwegs vielleicht auf dem Handy mache, werden sofort beim nächsten Einschalten des Laptops auch dorthin synchronisiert.

Dazu kommt, dass die Funktionen von Evernote in den vergangenen Jahren um viele nützliche Features reicher geworden sind. Beispielsweise sucht Evernote sehr zuverlässig nicht nur in den Texten, die ich eingebe, sondern auch in Bildern, die Text beinhalten. Wenn ich also in der Stadt unterwegs bin und ein interessantes Konzertplakat sehe, kann ich es direkt aus der Evernote-App fürs iPhone heraus fotografieren und als Notiz abspeichern. Selbst wenn ich keinen Titel und kein Schlagwort vergebe, liest Evernote dennoch sofort die Informationen aus, die auf dem Plakat zu erkennen sind. Wenn ich also irgendwann nach dem Bandnamen oder dem Veranstaltungsort suche, werde ich die Notiz mit dem Plakat finden. Genauso funktioniert das mit ganzen Textseiten, Literaturhinweisen etc. die man abfotografiert.

Wie man Evernote für die Organisation seines Arbeitsalltags nutzen kann, erkläre ich in einer Reihe von Gastbeiträgen auf Journalisten-Tools.de.

Hier will ich einige Anwendungsmöglichkeiten fürs das private Umfeld aufzeigen. Denn auch der private Alltag lässt sich mit Evernote erleichtern, beispielsweise in der Freizeitplanung, aber auch bei Haushaltsangelegenheiten. Hier sind fünf Ideen, wie man Evernote privat nutzen kann:

Einkaufszettel führen

Einkaufszettel aus Papier haben bei mir ausgedient. In Evernote habe ich ein Notizbuch namens „Haushalt“ und in diesem gibt es eine Notiz, die schlicht „Einkaufszettel“ heißt. Sobald mir etwas einfällt, was wir einkaufen müssen, schreibe ich hier eine Notiz hinein – egal, ob ich gerade am Laptop sitze, mit dem Handy unterwegs bin oder im Büro an meinem Arbeitsrechner (dank des Webzugangs habe ich auch hier Zugriff auf meine Evernote-„Haushalts“-Notizen.

evernote_iphone_favorit

Im Supermarkt habe ich (wie die meisten Leute) mein Mobiltelefon dabei, auf dem die Evernote-App installiert ist. Und in der App habe ich die Einkaufszettel-Notiz als „Favorit“ markiert. So wird sie nicht nur stets synchronisiert wie die anderen Notizen, sondern zusätzlich werden die Inhalte auch direkt auf dem iPhone gespeichert. Ich habe deshalb alle Informationen auf meinem Einkaufszettel stets zur Hand, auch wenn der Empfang im Supermarkt nicht gut sein sollte.

Wer die Checklisten-Funktion von Evernote nutzt, kann auch ganz einfach Checkboxen vor den einzelnen Listenbeiträgen erzeugen und alle Produkte, die schon im Einkaufswagen liegen, abhaken. Das erhöht die Übersicht.

Öffnungszeiten, Müllabfuhrzeiten und Bedienungsanleitungen finden

Mein Notizbuch „Haushalt“ ist aber nicht nur für den Einkaufszettel da. Weil ich mir die komplizierten Öffnungszeiten unseres Friseurs um die Ecke nicht merken kann, habe ich irgendwann einfach das Schild an der Tür fotografiert und in Evernote gespeichert – zusammen mit der Telefonnummer, damit ich die schnell zur Hand habe, wenn ich einen Termin vereinbaren will. Dasselbe habe ich mit den wichtigsten Geschäften und Arztpraxen gemacht. Evernote erkennt in den Fotos des Text, so dass ich selbst, wenn ich keinen Titel vergebe, die Notiz wiederfinde, indem ich nach dem Namen des Geschäfts suche.

Die Zeiten der Müllabfuhr können wir uns zwar merken, aber wann der Recyclinghof geöffnet hat oder wann genau die Weihnachtsbäume abgeholt werden – das müssen wir nun doch nachschauen. Glücklich, wer die Broschüre der Stadtreinigung mit allen Informationen schnell zur Hand hat. Uns gelang das nie so recht – weswegen ich sie von der Website der Stadt als PDF heruntergeladen und in Evernote gespeichert habe. Da ich Evernote-Premiumkunde bin, durchsucht das Programm auch das PDF. Schon die Suche nach dem Stichwort „Weihnachtsbaum“ führt mich deshalb zur richtigen Notiz mit dem gespeicherten Abfallkalender.

Auf die gleiche Weise speichere ich auch Bedienungsanleitungen von Geräten, die wir kaufen. Die braucht man selten, aber wenn – dann sind sie meistens unauffindbar. Da die meisten Hersteller die Anleitungen als PDF ins Netz stellen, lade ich sie mir von den Websites herunter und speichere sie in Evernote.

Rezeptesammlung

Ich koche gern und sammle deshalb Rezepte, die ich ausprobiert habe und die ich gerne noch einmal nachkochen möchte. Dafür habe ich ein eigenes Notizbuch „Rezepte“ angelegt, in das ich alles hineinwerfe, was ich gut finde: Suppenrezepte ebenso wie Anleitungen für Desserts, Hauptgänge, Salate oder Cocktails. Ich versehe die einzelnen Notizen mit Schlagworten („Suppe“, „Dessert“ etc.), so dass ich die Einträge schnell nach Gattungen filtern kann, wenn ich mal auf der Suche nach einer schönen Idee beispielsweise für einen Nachtisch bin.

Durch die Suchfunktion lassen sich aber auch alle Rezepte wunderbar wiederfinden, deren Namen man nicht mehr weiß. Wie hieß nochmal die leckere Suppe mit „Spinat“ (= Suchwort). Ach ja: Callalou!

Lieblingswein nicht vergessen

Die Suchfunktion (oben rechts) findet Text auch in Bildern, beispielsweise hier den Namen des Weins.

Die Suchfunktion (oben rechts) findet Text auch in Bildern, beispielsweise hier den Namen des Weins.

Schonmal im Restaurant einen traumhaft leckeren Wein probiert und versucht, sich den Namen zu merken, um den guten Tropfen später selbst zu kaufen? Den Namen dennoch vergessen und dann geärgert? Heute würde ich am Tisch schnell das iPhone zücken und mit der Evernote-App ein Foto vom Etikett der Flasche machen (vielleicht am besten, wenn die bessere Hälfte gerade die Nase pudert). Durch die Texterkennung indiziert Evernote alle Informationen auf dem Etikett, so dass ein kleiner Teil davon als Suchwort schon ausreicht, um die Notiz wiederzufinden. Und die Liebste wird überrascht sein, wenn plötzlich der gute Wein auch zu Hause kredenzt wird…

To-Do-Listen

Ähnlich wie der Einkaufszettel funktionieren To-Do-Listen, die ich gerne auch für private Zwecke führe. Mit allen Evernote-Instanzen lassen sich die kleinen Checkboxen vor Absätze setzen, so dass Listen entstehen, die man nach und nach abhaken kann. Wer Evernote als Programm auf Windows oder Mac verwendet, muss nur die erste Checkbox manuell setzen. Wird dann ein Absatz eingefügt, setzt Evernote automatisch eine weitere Checkbox vor die nächste Zeile. Sehr effizient. Die Apps und die Webversion können das (Stand: Januar 2014) leider noch nicht.

Ich bin sicher, jeder, der sich mit den Möglichkeiten von Evernote beschäftigt, wird noch viele weitere Anwendungsmöglichkeiten auch für den privaten Alltag finden. Dies sind nur fünf Ideen. Ich freue mich, wenn Ihr mir noch weitere schickt oder mir einfach erzählt, wie ihr Evernote für Euren Alltag einsetzt! Gerne hier als Kommentar oder per Mail an oliver.havlat (at) gmail.com

Callalou

400 g Blattspinat
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
2 Knoblauchzehen, geschält und durchgepresst
2 EL Butter
600 ml Hühnerbrühe
200 ml Kokosmilch
Salz, Pfeffer, Tabasco

Spinat putzen, unter fließendem Wasser waschen und in feine Streifen schneiden. Butter in einem Topf zerlassen und die Zwiebelwürfel darin anbraten, Knoblauch zugeben, kurz mitbraten. Spinat zugeben und unter Rühren bei mittlerer Hitze zusammenfallen lassen. Mit Hühnerbrühe und Kokosmilch ablöschen, salzen, pfeffern und ca.10 Minuten köcheln. Mit Tabasco abschmecken.