Bulgarische Schwarzmeerküste
Am "dunkelfarbigen Meer"
Jenseits von „All-Inclusive“ gibt es an der Schwarzmeerküste Schätze zu entdecken. Man muss aber suchen.
Erschienen am 5. Juni 2011
Eigentlich haben sie alle unrecht. „Ungastlich“ nannten es die Griechen, „dunkelfarbig“ die Thraker, „Schwarzes Meer“ nennen die Bulgaren ihr Hausmeer bis heute. Es stimmt alles nicht, zumindest nicht an einem frühsommerlichen Mai-Tag in Varna. Blau und grün leuchtet das Meer vor der größten bulgarischen Küstenstadt. Wellen rollen an den Strand – sehr einladend und kein bisschen schwarz. In den Strandbars direkt unterhalb des innerstädtischen Meeresparks rückt man die letzten Stühle zurecht. Die ersten Clubs, die hier meist zum Wasser hin offen sind, beschallen die Küste schon am Nachmittag mit aktueller Popmusik. Varna, die Stadt, die sich selbstbewusst als die „Perle des Schwarzen Meeres“ bezeichnet, sie bereitet sich auf den Beginn der Sommersaison vor. Eine halbe Million Betten soll es an der bulgarischen Küste zwischen Varna im Norden und Burgas weiter südlich geben. Gezählt hat bisher niemand so genau. Sie sind da für die Touristen, die Bulgarien schon in sozialistischer Zeit stets angelockt hat und die auch heute noch gerne kommen: All-Inclusive-Urlauber, junge Familien und genauso Sonnen- wie Party-Hungrige, die die günstigen Preise und die mannigfaltigen Unterhaltungsangebote mit Clubs, Discos und Strandleben schätzen. Wer sich abseits dieser ausgetretenen touristischen Pfade auf die Suche nach den Schönheiten der bulgarischen Schwarzmeerküste machen will, wird fündig werden – aber ein bisschen Ausdauer brauchen.
Varna ist für solch eine Rundreise als Ausgangsort ideal. Die Stadt ist das kulturelle, wirtschaftliche und administrative Zentrum der Schwarzmeerküste. Die Thermalquellen locken Besucher ebenso wie die breiten Einkaufsboulevards oder der jährliche „Varnaer Sommer“ mit vielen Musikveranstaltungen.
Weiter im Norden liegt das Küstenörtchen Balcik, bekannt für seinen Botanischen Garten. 2000 Pflanzenarten lassen sich hier bestaunen – und die zweitgrößte Kakteensammlung Europas (nach Monaco). Der Park entstand 1924 als Sommerresidenz für die rumänische Königin Marija. Hoch über dem Meer gelegen kann man heute noch ihr Haus, das „Stille Nest“, besichtigen.
Wer an der Küste weiterfährt, gelangt ans Kap Kaliakra, den östlichsten Punkt Bulgariens – und wahrscheinlich den windigsten. Auf dem Kap ist vor Kurzem Bulgariens erster Windpark entstanden. Die atemberaubende Aussicht von den hoch über dem Meer aufragenden Ruinen der alten Festungsanlage stört das aber nicht.
Stärkung findet, wer Muscheln mag, auf dem Rückweg im Dörfchen Kavarna: Die ökologische Miesmuschelfarm Dalboka bietet Muscheln aus eigener Produktion in jeder Zubereitungsart. Ein echter Geheimtipp.
Empfehlenswert ist zu guter Letzt eine Station in Nessebar. Die antike Stadt liegt auf einer Insel in der Bucht von Burgas, südlich der Ausläufer des Balkan-Gebirges. Die Altstadt ist nur über eine Brücke erreichbar und bettenburgenfrei, dafür reichhaltig mit mittelalterlichen Kirchen ausgestattet. Eine kundige Führung ist zu empfehlen, damit man die oft versteckten Perlen in den Gassen findet.