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Schwarze Raucher

Die wertvollen Geheimnisse der Tiefsee

Wie heiß eigentlich Wasser werden kann, weiß seit Neuestem niemand mehr. Und verantwortlich dafür ist unter anderem der Kieler Forscher Colin Devey.

Erschienen am 26. September 2008

"Bisher hat man angenommen, dass Wasser maximal 407 Grad Celsius heiß werden kann", sagt der Kieler Meeresforscher. "Aber wir haben jetzt 460 Grad gemessen - und da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht! 1200 Grad sind theoretisch möglich."

Devey hat mit Kollegen das heißeste Wasser der Erde entdeckt: mitten im Atlantik, knapp südlich des Äquators, auf dem Mittelozeanischen Rücken, in 3000 Meter Tiefe. Dort quillt es aus einem "Schwarzen Raucher", also einer extrem heißen, einer hydrothermalen Quelle in der Tiefsee.

Superkritisches Wasser

Normales Wasser ist das allerdings nicht mehr: Das würde ab etwa 100 Grad gasförmig - zu Wasserdampf. Aber in dieser Tiefe herrschen am Meeresboden etwa 298 bar Druck, das Wasser ist deshalb in "superkritischem Zustand", wie es die Chemiker nennen.  Bei diesen Temperaturen und einem solchen Druck vermischen sich die gasförmige und flüssige Phase von Wasser.

Das ist eine der Entdeckungen, die den gebürtigen Engländer Devey an seinem Forschungsgebiet, der Tiefsee, so faszinieren. Eine andere ist vielleicht die Erkenntnis, dass die Tiefsee nichts mit den ihr gemeinhin zugeschriebenen Eigenschaften zu tun hat: ewige Dunkelheit, Kälte, Ödnis - alles Unfug, findet Devey. "Das ist wunderhübsch da unten!" sagt er. "Da wimmelt es vor Leben. Die Formen sind bizarr!"

Seit 20 Jahren beschäftigt sich der Geologe Devey mit den Tiefen der Weltmeere, hat seit 2004 eine Professur für die Dynamik des Ozeanbodens am IfM-Geomar in Kiel und ist dort tätig in der Forschungseinheit Magmatische und Hydrothermale Systeme. "Das ist aber immer noch Grundlagenforschung, die wir hier betreiben."

Doch die wirtschaftliche Bedeutung seiner und anderer Erkenntnisse zeigt sich schon jetzt: die Rohstoffversorgung für die Weltwirtschaft der Zukunft könnte davon abhängen. Denn die "Schwarzen Raucher" in der Tiefsee heißen so, weil sie mit ihrem heißen Wasser, das von  Magmablasen unter dem Gestein des Meeresbodens erhitzt wird und dann aus Gesteinsritzen schießt, große Mengen an Mineralien mit sich tragen: Gold, Kupfer, Eisen, Mangan oder Schwefel.
"Jeder Computer, jedes Handy, jedes Auto enthält diese Metalle", erklärt Devey. "Wir können darauf nicht verzichten." Und seit die Quellen für diese Stoffe an Land knapp werden - die steigenden Mineralienpreise belegen es - rückt der Abbau der Rohstoffe in der Tiefsee auch wirtschaftlich in den Bereich des Möglichen. "Diese neuen Quellen müssen also erschlossen werden", findet der Forscher.

Abgebaut werden können nur erloschene Raucher

Umweltschutzorganisationen haben Bedenken, doch der Geologe hält dagegen: "An Land haben Sie in den Abbaugebieten vielfältige Umweltprobleme: Sie müssen Straßen bauen, Wälder roden, das Grundwasser versauert. Das fällt am Meeresboden alles weg."

In der Tat scheint der Abbau der Mineralien in der Tiefe der Meere zumindest in der Theorie recht simpel zu sein: Die "Schwarzen Raucher", die die Metalle aus der Erdkruste auswaschen, sehen aus wie Schornsteine, weil das austretende Wasser sofort erkaltet, die Metalle ausfällen und sich rund um die Austrittsstelle ablagern. So wächst der Schornstein schnell in die Höhe - bis zu vier Meter Wachstum im Jahr sind schon gemessen worden - und fällt irgendwann einfach zur Seite hin um. "Sie müssen dann eigentlich nur noch von einem Schiff einen Tauchroboter herunterlassen und die Schlote aufsammeln", erklärt Devey.

Und die fulminante Tierwelt, die sich rund um die aktiven "Schwarzen Raucher" bildet, wäre davon auch nicht betroffen: Sie kann nur existieren, solange die "Raucher" aktiv sind. Abgebaut werden können aber nur erloschene Schlote. Die Tauchroboter würden sonst schlicht schmelzen. Schuld ist - das heißeste Wasser der Welt.

 

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