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Internet-Betrug
"Ermittlungsverfahren gegen Sie"
Eine neue Betrugswelle rollt durchs Netz. Dabei wird die Identität eines Hamburger Anwalts missbraucht. Die Kripo ermittelt.
Erschienen am 15. Oktober 2010
Eine neue Betrugswelle rollt durchs Internet - mit einer ganz alten Masche. "Ermittlungsverfahren gegen Sie" ist der Betreff der E-Mail, die tausende Internet-Nutzer in Deutschland seit dem 14. Oktober erhalten haben dürften. In der E-Mail, die mit den Absendern "giese@rechtsanwalt-giese.info" oder "zahlung@rechtsanwalt-giese.info" versehen ist, werden dem Empfänger Urheberrechtsverletzungen zur Last gelegt.
In der Mail heißt es (Rechtschreibfehler eingeschlossen): "Gegenstand unserer Beauftragung ist eine von Ihrem Internetanschluss aus im sogenannten Peer-to-Peer-Netzwerk begangene Urheberrechtsverletzung an Werken unseres Mandanten. […] Durch das Herunterladen urherberrechtlich geschutzer Werke haben sie sich laut § 106 Abs 1 UrhG i.V. mit §§ 15,17,19 Abs. 2 pp UrhG nachweislich strafbar gemacht. Bei ihrem Internetanschluss sind mehrere Downloads von musikalischen Werken dokumentiert worden."
"Hände weg davon!"
Um "hohe Geldstrafen und Gerichtskosten" zu vermeiden, bietet der angebliche Anwalt an, die Angelegenheit außergerichtlich zu lösen: Der Empfänger solle für 100 Euro an einer Tankstelle eine Guthabenkarte des Internet-Bezahldienstes UKASH kaufen und den Code zugunsten der Rechtsanwaltskanzlei einlösen.
"Hände weg davon!", sagt Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. "Auf keinen Fall darauf einsteigen. Das ist eine ganz alte Masche." Betrüger versuchten mit dieser Methode die Angst der Menschen vor Abmahnungen und teuren Gerichtsprozessen im unübersichtlichen Bereich des Urheberrechts auszunutzen.
Interessant sei dabei die gewählte Bezahlmethode über den eigentlich seriösen Bezahldienst UKASH: "Mit diesem Bezahlsystem wird der Weg des Geldes verschleiert", sagt Hagen. "Wenn der Betrüger das Geld über dieses System auf ein Konto im Ausland schickt, kann ein deutscher Staatsanwalt nicht darauf zugreifen."
Dass die Urheber der Betrugswelle im Ausland sitzen, zeigt auch die Domain, von der aus die Mails verschickt werden: "rechtsanwalt-giese.info" wurde anonym registriert, die Website laufe auf einem Server in Moskau, gibt der Dienst "abmahnwahn-dreipage.de" auf seiner Seite bekannt.
Den Anwalt gibt es wirklich
Den Anwalt Florian Giese in Hamburg gibt es wirklich. Nur ist der nicht Urheber der Mails, sondern selbst ein Opfer – in diesem Fall eines Identitätsdiebstahls. Er habe bereits Strafanzeige erstattet, die Kripo Hamburg ermittle, heißt es auf der Website der Kanzlei.
Obwohl nicht neu, seien diese Betrugsversuche oftmals noch sehr erfolgreich, sagt Verbraucherschützer Thomas Hagen: "Wir vermuten - im Zusammenhang mit anderen Vorgängen -, dass diese Leute mitunter zigfache Millionäre geworden sind." Bei Zweifeln an der Echtheit angeblicher Anwaltspost rät er dazu, sich bei der Verbraucherzentrale beraten zu lassen.
Allerdings warnt er auch: "Urheberrechtsverletzungen sind kein Kavaliersdelikt!"
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