IP-Adressen

Netz-Adressen gehen zur Neige

Der Nachschub für die bisherigen Internet-Adressen ist bald erschöpft: Bis zum Jahresende werden sie alle vergeben sein. Ein neuer Standard muss her.

Erschienen am 4. Februar 2011

4,3 Milliarden - dann ist Schluss: So viele IP-Adressen können mit dem bisherigen Standard IPv4 vergeben werden. Und annähernd so viele sind schon vergeben worden. Die weltweite Adressverwaltungsorganisation Internet Assigned Numbers Authority (IANA) hat mittlerweile 251 von ursprünglich 256 großen Adressblöcken an ihre Regionalorganisationen auf fünf Kontinenten vergeben. Die wiederum verteilen die Adressen an Unternehmen in ihrem Bereich. "Voraussichtlich Ende 2011 werden die ersten Regionalorganisationen ihre Adressen an Unternehmen und Einrichtungen zugeteilt haben, dann gibt es dort keine freien Adressen im IPv4-Standard mehr", heißt es in einer Pressemitteilung des Internet-Branchenverbandes Bitkom.

Die Folge: Unternehmen können keine Dienste mehr buchen, für die eine feste, global gültige IP-Adresse notwendig ist. Das heißt: Neue Rechenzentren können nicht ans Netz angeschlossen werden, bestimmte Sicherheitsanwendungen laufen nicht. Für Unternehmen katastrophal.

IP-Adressen: wie Telefonnummern im Netz

 IP-Adressen sind wie Telefonnummern für die Rechner, die im Netz unterwegs sind: Jeder braucht eine eigene. Die Adressen sorgen für die korrekte Zustellung der Datenpakete im Netz. Das Internet-Protokoll definiert dabei, wie die Daten verpackt und versendet werden.

Der IPv4-Standard stammt aus dem Jahr 1980 und basiert auf einer Adresse mit 32 Nummern. Auf dieser Basis können nur 4,3 Milliarden unterschiedliche Adressen vergeben werden - immerhin war der Standard ursprünglich auch nur dazu gedacht, einige wenige Forschungsinstitute miteinander zu vernetzen.

Den Standard gibt es bereits seit 1995

Der Nachfolge-Standard IPv6 verwendet 128 Nummern. So können künftig 340 Sextillionen (in Zahlen: 340.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000) Internet-Adressen vergeben werden - genügend Spielraum, um auch Privatpersonen eigene Adressen zuteilen und auch Elektrogeräte wie Kühlschränke oder sogar Autos mit einer IP-Adresse versorgen zu können.

Den Standard gibt es bereits seit 1995. Allerdings hinkt insbesondere Europa bei der Einführung von IPv6 noch stark hinterher. Insbesondere Asien ist hier viel weiter. Die boomende Industrie und der damit verbundene Adressenhunger der Unternehmen hat den Druck auf die Internetwirtschaft hier entsprechend erhöht. Sie reagierte schneller.

Die Behörden sind weiter als die Wirtschaft

Allerdings ist die Umstellung auch aufwändig: Ältere Hardware muss umgerüstet werden - sowohl in den Rechenzentren der Internetprovider wie auch in Kunden-Unternehmen. Mitunter müssen auch Privatkunden ihre DSL-Router zu Hause austauschen oder die Betriebssoftware (Firmware) aktualisieren.

Aktuell seien in Deutschland noch längst nicht alle Internet-Provider in der Lage, ihren Kunden Services auf Basis von IPv6 anzubieten, heißt es beim Bitkom-Verband. "Wenn europäische Unternehmen noch den alten Standard nutzen, die Kunden in Asien ihre Systeme und Netze aber schon auf IPv6 umgestellt haben, dann können sie nicht mehr reibungslos über das Web kommunizieren", erklärte Verbandspräsident Prof. August-Wilhelm Scheer in einer Erklärung. "Die deutschen Bundesbehörden sind den meisten privaten Unternehmen auf dem Weg zu IPv6 weit voraus", ließ er mitteilen. Der Bund habe bereits IPv6-Adressblöcke für sich und die Länder reserviert sowie eine Strategie für den Umstieg entwickelt.

Bisher kostet die Umstellung nur Geld - zu verdienen gibt es noch nichts. "Deswegen klemmt es dort ja auch", sagte ein Brancheninsider zu shz.de.

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