Das Szenesprachenwiki

Sind Sie "overchicked"?

Wer nicht gerade im "Münz-Mallorca" ist, kann mitmachen: Das neue "Wörterbuch der Szenesprachen" entsteht nicht nur in der Duden-Redaktion – sondern auch online.

Erschienen am 5. Mai 2009

Sind Sie overchicked? Dann sind Sie sicherlich ein Schliekenfänger und sollten besser nicht rummonken. Denn dann stehen Sie nachher noch als Honk da. Und wer will das schon?

"Sprache kann man nicht machen, sie entsteht", sagt Peter Wippermann vom Hamburger "Trendbüro". Und Begriffe wie "overchicked" als Bezeichnung für jemanden, der eher hässlich ist, aber eine hübsche Freundin ("chick") hat oder "Schliekenfänger", als positiv besetzte Bezeichnung für jemanden, der sich bauernschlau durchs Leben schlägt – solche Begriffe entstehen in Subkulturen, nicht an Universitäten. Oder sie sind inspiriert von Mode-Erscheinungen wie Fernsehserien: Wer sich so merkwürdig autistisch verhält wie der TV-Detektiv Monk, der "monkt" eben rum. Und ein "Honk" ist schlicht ein Versager.

 Das Flüstern der Communities

"In den Nischen der Gesellschaft zeigt sich die Sprachkultur von morgen. Wer den gesellschaftlichen Wandel frühzeitig erkennen will, muss das Flüstern in den Communities verstehen." Peter Wippermann hat, zusammen mit dem Mannheimer Duden-Verlag, das "Szenesprachenwiki" ins Leben gerufen – ein Onlineportal, in das Nutzer Begriffe eingeben können, die es bisher im Wörterbuch noch nicht gibt, die aber – und das ist die Bedingung für die Aufnahme – durchaus Verwendung finden.

Überprüft wird das mit einem Abgleich mit den Duden-Datenbanken und mit einer einfachen Google-Suche. Wenn die Duden-Datenbank nichts ausspuckt, Google aber schon – dann hat das neue Wort gute Chancen in das Wiki aufgenommen zu werden. Und am Ende vielleicht sogar in das neue "Wörterbuch der Szenesprachen", das in diesem Herbst erscheinen soll.

Bisher haben sich schon weit über 2800 Besucher auf szenesprachenwiki.de angemeldet und fast tausend Wörter "gepostet", also in das Portal gestellt.

"Plonken", "sich beschlauen" und der "Partyparasit"

Die meisten davon kommen aus dem Bereich Schule und Universität, wie etwa das Wort "copypasten", das nichts anderes bedeutet als "abschreiben" oder das Verb "beschlauen". Wer sich beschlaut, befasst sich eingehend mit einem Thema. Im Bereich "Nachtleben" findet sich der "Partyparasit", ein uneingeladener Gast. Und besonders gut vertreten ist auch der Bereich "Games und Networks". Das "Plonken" beispielsweise findet sich hier: Das ist das automatisierte Wegfiltern von unerwünschten elektronischen Nachrichten.

"Ganz neue Wege" gehe man bei der Stichwortsammlung, sagte der Leiter der Dudenredaktion, Matthias Wermke. "Schon immer haben die Benutzer auf den Inhalt der Duden-Wörterbücher Einfluss genommen, aber bei keinem ist dies so unmittelbar der Fall wie bei diesem Projekt."

Dass es zu funktionieren scheint, beweist nicht zuletzt der Eintrag vom 30. April im Mitteilungs-Blog des Wikis: "Tatatata!" heißt der und geehrt werden hier die 15 "Topsubmitter". Zur Belohnung können die sich ja einen Kurz-Urlaub im "Münz-Mallorca" gönnen. Das ist auch bekannt als Sonnenstudio.

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