Ausgewählte Artikel
Datenschutz
Vier gegen Facebook
Sie wollen ihre Privatsphäre nicht preisgeben und trotzdem Soziale Netzwerke nutzen. Deshalb haben vier Studenten aus New York beschlossen, eine Alternative zu Facebook zu schaffen.
Erschienen am 18. Mai 2010
Maxwell, Daniel, Raphael und Ilya, alle zwischen 19 und 22 Jahre alt und Studenten der Informatik, wollen ein Netzwerk schaffen, in dem jeder Nutzer die Kontrolle über seine Daten hat und bei dem es vor allem keine zentrale Instanz gibt, die das Netzwerk kontrolliert. "diaspora" haben sie ihr Projekt getauft. Und anders als bei Facebook, MeinVZ und ähnlichen Diensten, die allesamt aus einem Rechenzentrum betrieben werden, soll ihr Netzwerk ein Peer-to-Peer-Netzwerk sein, bei dem jeder Nutzer seinen eigenen kleinen Server betreibt und keine Daten an eine zentrale Stelle geschickt und dort gespeichert werden. Gleichzeitig soll der Quellcode des Programms offen zugänglich sein.
"diaspora" trifft genau den Nerv der Zeit: Facebook, Branchenprimus bei den Sozialen Netzwerken, ist zuletzt schwer in die Kritik geraten ob seiner Allmacht über die Daten der Nutzer. Mit der "OpenGraph"-Initiative schwingt sich das 400 Millionen Nutzer starke Netzwerk zur selbsternannten Zentrale des Internet auf. Firmen, die mit Facebook kooperieren, können nahezu ungehindert auf Daten der Nutzer zugreifen. Daten, die die Nutzer bei diesen Firmen hinterlassen, werden unter Umständen wiederum bei Facebook gespeichert. Privatsphäre, ließ Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kürzlich durchblicken, halte er für ein überholtes Konzept. "Wir wissen nicht, was mit unseren Daten passiert", fasst Raphael im Video zu "diaspora" zusammen.
170.000 Dollar gesammelt
Dagegen treten die vier Studenten aus New York an – und finden Unterstützung. 10.000 Dollar brauchten sie, teilten die vier mit, um den Code für "diaspora" in den Semesterferien schreiben zu können. Sie richteten eine Spendenseite im Netz ein – und wurden von einer Spendenwelle überrollt. Nach nur wenigen Tagen waren Finanzierungszusagen von über 4700 Menschen eingegangen. Gesamtwert: 170.000 Dollar.
Ganz neu ist die Idee eines quelloffenen Peer-to-Peer-Netzwerkes nicht. Mugshot war 2006 ein erster Vorstoß in diese Richtung. Onesocialweb und StatusNet sind andere Software-Projekte, die eine ähnliche Ausrichtung haben. Das wissen die vier jungen Programmierer auch und haben deshalb verkündet, was sie besser machen wollen. Vor allem wollen sie schnell Ergebnisse präsentieren statt zunächst ein möglichst umfassendes Programm zu konzipieren.
Ein "Facebook-Killer", wie in den USA kursierte, wird "diaspora" wohl nicht werden. Wohl aber trifft das Ansinnen der Vier aus New York auf ein Bewusstsein für Privatsphäre und Datenschutz, mit dem Firmen wie Facebook nicht mehr gerechnet haben.
Weitere ausgewählte Artikel: