Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen: Da hatte und hat Matthias Claudius noch immer recht. Früher gab es Dia-Abende mit Nachbarn, Familie und Freunden, um die (in bisweilen mehr oder weniger langweiligem Vortrag) im Nachhinein an der Reise teilhaben zu lassen. Eine zeitgemäßere Form ist vielleicht die eines Blogs. Wir haben das Experiment gemacht und unseren Kanada-Urlaub in einem Reiseblog dokumentiert. Hier kommen: ein Werktstattbericht und ein Plädoyer für mehr Reiseblogs. 

Unser Fazit ist, um das vorweg zu nehmen: Experiment geglückt. Aus unserem (also meiner Frau und meinem) mehrwöchigen Kanada-Urlaub mit dem Wohnmobil haben wir drüben auf unserer privaten Seite regelmäßig gebloggt. Unser Konzept sah vor, neben reinen Reiseberichten (wo sind wir gewesen, was haben wir gemacht) auch kleine Anekdoten, ein paar Trivia und ein oder zwei größere Reportagen zu veröffentlichen. Alles garniert mit dem wichtigsten Element eines Reiseblogs: vielen Bildern.

Wir sind drei Wochen lang mit einem gemieteten Wohnmobil durch den Westen Kanadas gefahren und haben von dort unter anderem berichtet

Das hat gut funktioniert und unsere kleine (weil vor allem aus Freunden und Bekannten bestehende) Leserschaft hat die Beiträge nicht nur gelesen, sondern auch hier und da kommentiert. Die Rückmeldungen, die wir in den Kommentaren im Blog, aber auch parallel per Mail bekommen haben, sind durchweg positiv. Die einzige kritische Stimme vermisste mehr Tierbilder von unserer Reise durch spektakuläre Natur. In Teilen konnten wir nachliefern. 🙂

Wir finden, dass wir mit dieser Form der Dokumentation die Familienmitglieder, Freunde und teilweise Kollegen, die sich dafür interessierten, an unserer Reise, die eben keine Woche Sonnenbaden auf Mallorca war, sondern eine Reise, wie man sie in dieser Form wahrscheinlich nur einmal im Leben macht, anschaulich haben teilhaben lassen können. Wir haben uns auch selbst während der Wochen in Kanada über unser stetig wachsendes Blog gefreut, sind die Beiträge doch eine Art der Dokumentation, die man in so vielen Details wahrscheinlich im Nachhinein gar nicht mehr anfertigen kann.

Wir haben beschlossen, nicht nur den Bildervortrag (nach dem trotz allen Bloggens auch schon gefragt worden ist) gerne zu halten, sondern auch – aber das eher für uns und unsere Familien – unsere Urlaubseindrücke auch noch in ein Fotobuch zu gießen. Auch dafür bietet das Blog mit der Foto-Vorauswahl und den passenden Texten eine gute Grundlage.

Funktioniert auch auf dem iPad: Das Reiseblog

Funktioniert auch auf dem iPad: Das Reiseblog

Was wir aber durchaus auch gemerkt haben: So ein Reiseblog macht auch Arbeit. Man kann es ruhig angehen lassen und alle zwei, drei Tage einen neuen Post verfassen (manchmal wird man dazu auch durch die äußeren Umstände gezwungen – beispielsweise, weil es keinen Internetzugang gibt oder, siehe auch diesen Blogpost, nicht einmal Strom) oder eben jeden Tag in einer Art Tagebuch festhalten. Da es sich bei aller Experimentiererei immer noch um unseren Urlaub handelte, haben wir beschlossen, eher sporadisch und dann themenfokussiert zu bloggen statt eine möglichst vollständige Reisechronik anzufertigen. Themenideen für das Blog gab es mehr als genug – wir haben gar nicht alle umsetzen können.

Ein bisschen Social Media-Strategie haben wir auch angewendet: Die „größeren“ Blogposts haben wir stets unseren Freunden und Familienmitgliedern per Facebook empfohlen. Kleinere Beiträge haben wir ohne weitere Ankündigung ins Blog gestreut in der Hoffnung, dass sie dort beim Stöbern einfach entdeckt werden. Diejenigen, die nicht bei Facebook sind und im Vorhinein schon Interesse bekundet hatten, haben hin und wieder eine Mail von uns bekommen, in der wir auf neue Blogeinträge verwiesen haben.

Wer wissen will, wie das technisch alles ging und welche Ausrüstung man als Reiseblogger mitnehmen sollte: Dazu kommt in Kürze ein eigener Blogpost.

Wir freuen uns immer noch an unserem kleinen Blog und sind der Meinung, dass

  1. ein Reiseblog eine schöne Möglichkeit ist, ein interessiertes Publikum zu Hause zumindest virtuell ein Stück weit auf die Reise mitzunehmen
  2. jeder, der sich für den Reiseverlauf, die Autoren und/oder das Reiseziel interessiert, im Blog stöbern und schöne Dinge entdecken kann
  3. jeder, der sich eben nicht dafür interessiert, auch nicht gezwungen wird, sich damit zu beschäftigen
  4. man mit einem aktuellen Blog Interaktionsmöglichkeiten schafft, die es früher nicht gegeben hat
  5. ein Blog eine tolle Dokumentation darstellt, die einem selbst die Reise noch einmal in Erinnerung ruft und die man im Nachhinein aus dem Gedächtnis heraus wahrscheinlich kaum mehr so detailliert wird erstellen können
  6. man im Nachhinein wahrscheinlich auch kaum mehr Zeit und Muße haben würde, eine ausführliche Reisedokumentation zu machen
  7. man die Beiträge und Fotos besser kaum als Grundlage für ein ganz analoges Stück Reiseerinnerung aufbereiten kann. Beispielsweise ein Fotobuch oder ein klassisches Fotoalbum.

Deshalb an alle, die eine interessante Reise planen: Schreibt ein Blog! Wir wollens lesen.