„Ein was? Ein Barcamp? Wollen Sie da zelten?“ – „Oder Cocktails mixen?“ — Weder das eine, noch das andere. Aber das waren tatsächlich Fragen, die uns bei der Organisation des BarcampDUS, des ersten klassischen Barcamps Düsseldorfs, begegneten.

Anlässlich Stefans Blogparade „Mein erstes Barcamp“ berichte ich hier vom ersten Barcamp, dass ich (mit)organisiert habe. Darin: Die Sache mit dem WLAN, die Angst vor der Currywurst, ein Rezept für (viel) Kaffee und zwei Dinge, über die man nochmal sprechen sollte.

Die Frage, ob wir im Konferenzzentrum zelten oder Cocktails mixen wollen – sie ist Zeugnis der anfänglichen Skepsis gegenüber diesem immer noch relativ neuen Konferenzformat (verglichen mit der Lebensdauer der „klassischen“ Konferenz mit Keynote, Vorträgen und Panel) in einem Haus, das zwar viel Erfahrung mit der Veranstaltung von Konferenzen hat, aber vielleicht allein schon vor dem Wort „Un-Konferenz“ ein wenig zurückschreckte.

Jetzt ist es also passiert, das erste Barcamp Düsseldorfs, Geschichte seit dem 13. Oktober, 18 Uhr und vorher eine zweitägige Veranstaltung, die ich in aller Unbescheidenheit als gelungen bezeichnen will. Nicht, weil ich das meine, sondern weil es mich freut, dass die Kollegen das so sehen: Der hier beispielsweise, oder die hier oder auch der hier und diese.

Das Barcamp Düsseldorf war nicht mein erstes Barcamp – wohl aber das erste Barcamp, das ich (mit)organisiert habe. Dankenswerterweise hatte sich Stefan Evertz bereiterklärt, uns bei der Organisation kräftig unter die Arme zu greifen, als wir zwar leidlich Barcamp-erfahrenen, aber als Eventmanager totalen Newbies Marc und ich daran machten, das erste Barcamp Düsseldorfs auf den Campus der Rheinischen Post in Düsseldorf-Heerdt zu holen.

Denn das war der Plan: Wir wollten zeigen, dass auch ein ehrwürdiges Haus wie die Rheinische Post eben kein Verlagshaus mehr ist, sondern ein modernes Medienhaus, und dass auch moderne Tagungsformen und Themen, die sich nicht klassischerweise in der Tageszeitung wiederfinden, hier ihren Platz haben.

Die Räume zu organisieren, war kein Problem, weil auch Oliver, Geschäftsführer von RP Digital, sofort Feuer und Flamme war. Stefan kam alsbald mit zwei tollen Sponsoring-Angeboten um die Ecke: simyo und DocMorris hatten sich bereit erklärt, uns zu unterstützen. Facebook-Page, Google+-Präsenz und Twitter-Account richtete Stefan ein.

Wir kümmerten uns ums WLAN – ein neuralgischer Punkt bei großen Veranstaltungen, bei denen viele Menschen mit noch mehr Geräten gleichzeitig ins Netz wollen. Wir haben die circIT, den IT-Dienstleister der Rheinischen Post, gewinnen können, uns das Drahtlosnetzwerk bereitzustellen. Und das sollte dann auch halten – das ganze Barcamp über. Wir (und die Kollegen von der circIT) freuen uns, dass es sogar öffentlich Lob für das stabile Netz gab:

Der @hirnrinde dankt den Sponsoren @rponline @simyo @docmorris #Seitwert #circIT (super WLAN!) und #mixxt #barcampDUS pic.twitter.com/TTGabVybq4
— Pottblog Live (@PottblogLive) October 13, 2013

Die erfahrenen Eventmanager unseres Hauses kamen uns auch sehr zu Hilfe, weil sie an Dinge dachten, die uns wahrscheinlich erst während der Veranstaltung aufgefallen wären (Als Beispiel ein Hinweis an alle, die überlegen, vielleicht auch ein Barcamp zu organisieren: Auch wenn es zu profan klingt – sorgt dafür, dass es jemanden gibt, der während des Camps die Toiletten putzt. Nichts ist fieser, als wenn sich nach einem dreiviertel Tag niemand mehr dorthin traut, weil es zu eklig ist. Wenn es das Budget hergibt, engagiert eine Putzkraft – es ist gut investiertes Geld).

Und neben vielen anderen neuen Dingen habe ich auch die größte Kaffeemaschine bedienen gelernt, die ich bisher in meinem Leben gesehen habe:

Kaffee ist fertig! Und dies ist tatsächlich die zuständige Maschine. #barcampDUS pic.twitter.com/5yzJQXOTuT
— Oliver Havlat (@oliverhavlat) October 13, 2013

Sie schafft zehn Liter Kaffee auf einmal. Rezepttipp: Ihr braucht dazu etwa ein halbes Paket Kaffee.

Nervös vor der Currywurst

Unsere Nervosität vor der Veranstaltung war groß – kommen alle? Wird es ihnen gefallen? werden sie die Currywurst mögen, die wir als Mittagssnack organisiert hatten? Werden die Sessions gut? Umso größer war dann aber die Erleichterung, als alles, aber auch wirklich alles, funktionierte. Auch der Currywurstwagen kam gut an:

Eine eigene Currywurst-Bude – das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben. #barcampDUS
— Stefan Freundlieb (@Aphasio) October 12, 2013

Ich glaube, wer es nicht schon vorher war, ist spätestens jetzt Fan dieser Form der Tagung, die zunächst chaotisch anmutet (kein Programm? keine geplanten Abläufe? keine Ahnung, wer was erzählt??), dann aber diszipliniert und effizient in ein Konferenzprogramm mündet, das wiederum niemals an den Interessen des Publikums vorbeilaufen kann, weil jeder Programmpunkt nur stattfindet, wenn Interessenten da sind. Wer genügend Konferenzen erlebt hat, bei denen das Publikum stuhlreihenweise in langweiligen Vorträgen einschläft, um erst wieder bei den interessanteren Kaffeepausen-Gesprächen zu Bewusstsein zu kommen, wird die Aktivierung der Zuhörer zu „Teilnehmern“ sehr zu schätzen wissen.

Aber vielleicht gibt es doch noch Punkte, über die man auch bei der Organisation eines Barcamps noch reden sollte.

Dokumentation

Zum Einen ist da die Dokumentation, die stets und meistens aus Ressourcengründen, eine Schwierigkeit darstellt. Es fanden beim BarcampDUS bis zu sechs Sessions gleichzeitig statt. Ich hätte an vielen gerne teilgenommen, da einige der für mich interessanten aber zeitgleich stattfanden, musste ich mich entscheiden. Hier wünsche ich mir eine Dokumentation, möglichst im Video, zumindest aber in schriftlicher Form, so dass Interessenten auch im Nachhinein noch die Möglichkeit haben, die Inhalte einer Session nachzuvollziehen.

Die Doku kann entweder durch einen der Teilnehmer angefertigt werden oder aber auch dadurch, dass Links zu Co-Working-Dokumenten verteilt werden und jeder Teilnehmer einen kleinen Beitrag zur Doku der Session leistet. To be discussed.

Verpflichtend würde ich die Dokumentation jedoch nicht machen: Wenn die Teilnehmer einer Session sich kollektiv dagegen entscheiden, soll auch nichts dokumentiert werden. Das ist beispielsweise bei Erfahrungsaustausch-Sessions wie der Community Manager-Gruppe, die ich besucht habe, durchaus sinnvoll.

Keynote

Bisher nicht Bestandteil eines Barcamps ist eine Keynote. Ich könnte mir vorstellen, dass diese, aus klassischen Konferenzen bekannte Form, vielleicht aber auch einem Barcamp eine Richtung geben kann. Vielleicht wäre sie eine gute Form zur Eröffnung eines thematisch eingegrenzteren Barcamps? Ebenfalls: to be discussed.

Berichte und Bilder

Wir haben natürlich auch auf RP Online über das Barcamp berichtet. Wer nochmal schauen möchte: Artikel mit Storify-Einbindung und Video sind hier, dazu gibt es diese Bildergalerie vom ersten und diese vom zweiten Tag.

Alles in allem: Eine tolle Veranstaltung und – das darf ich sagen – das BarcampDUS 2013 wird wahrscheinlich nicht das letzte BarcampDUS gewesen sein.

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